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In 50 Jahren zum modernen Hilfswerk

50 Jahre Entwicklung
50 Jahre Lernen
50 Jahre terre des hommes schweiz

Gegründet im Jahr 1960 versteht sich terre des hommes schweiz heute als moderne entwicklungspolitische Organisation, die mit ihren Partnerorganisationen in Lateinamerika und Afrika auf gleicher Augenhöhe zusammenarbeitet. Im 2010 wird terre des hommes schweiz 50 Jahre alt, ein Grund, die letzten Jahrzehnte der Entwicklungshilfe Revue passieren zu lassen.

Auf gleicher Augenhöhe: die Zusammenarbeit zwischen terre des hommes schweiz und den Partnerorganisationen


Gründung und Soforthilfe
1960 nicken die Negerli in der Kirche, wenn man eine Münze ins Kässeli wirft, die Aschenbecher tragenden schwarzen Bediensteten aus Holz bevölkern die Wohnzimmer, und Tim und Struppi bekehren Wilde im Kongo. Krieg und Armut und Hunger und Elend in Südamerika oder Afrika sind noch weit weg.

Für Edmond Kaiser aber sind sie nahe genug. Eine Reportage über das Elend in Flüchtlingslagern während des Algerien-Krieges ist für ihn Anlass, 1960 das Hilfswerk Terre des hommes zu gründen, um Kindern in Not schnell und direkt zu helfen. Hunderte von schwerkranken Kindern kommen aus dem Kriegsgebiet Algerien zur Pflege in die Schweiz.

Widerstand und Solidarität
In den 70er-Jahren kommt uns der Süden näher. Nicht nur Katastrophen und Hungersnöte prägen das Bild. Der Widerstand gegen korrupte Regimes und ausbeuterische Kolonialregierungen in Nicaragua oder Moçambique füllt Zeitungsspalten, Freiheitskämpfe erschüttern Lateinamerika und Afrika und schüren Hoffnung in der Schweiz. Tim und Struppi verschwinden aus den Schulbibliotheken, keine Negerli nicken mehr in Kirchen und Aschenbecher stehen auf dem Tisch, der Anti-Struwelpeter macht seine Aufwartung. Aufbruch ist angesagt. Entwicklungshilfe wird in den 70er-Jahren neu definiert: Keine Einzelaktionen und Einzelhilfen mehr, sondern Hilfe vor Ort, Hilfe zur Selbsthilfe, Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in den Ländern des Südens. In der Schweiz formieren sich politische Drittweltgruppen, die sich als Solidaritätsbewegung definieren.

Unterschiedliche Ausrichtungen
Die Diskussionen über Ausrichtung der Entwicklungsarbeit und Mitbestimmungsstrukturen spalten auch die Terre des hommes - Bewegung. Unterschiedliche Vorstellungen diesbezüglich zwischen Arbeitsgruppen-VertreterInnen und Edmond Kaiser führen an der Generalversammlung im April 1972 zur Trennung. Kaiser führt seine Aktivitäten unter dem Namen Terre des hommes (seit 1988 eine Stiftung) von Lausanne aus weiter. Die schweizerischen Arbeitsgruppen in Genf und Basel schliessen sich als voneinander unabhängige Organisationen zum Dachverband „terre des hommes schweiz/Terre des Hommes Suisse“ zusammen.

Profit ohne Rücksicht auf Verluste

Die 80er-Jahre sind das Jahrzehnt der sogenannten „grünen Revolution“ (Anbau von Hochleistungssaatgut und Monokulturen in der Dritten Welt), die weder besonders grün noch revolutionär ist. Aber sie macht deutlich, wie gross die Kluft zwischen Nord und Süd tatsächlich ist. Die Freiheitsbewegungen verlieren an Kraft und Identifikationspotenzial, die sozialistischen Staatssysteme brechen auseinander, die politische Drittweltbewegung gerät in eine Sinnkrise. Die Vision einer global vernetzten Solidaritätsbewegung erlischt im grellen Scheinwerfer einer anderen globalen Vision: Profitmaximierung ohne Rücksicht auf soziale Verluste, Deckname Neoliberalismus. Die Entwicklungsländer sitzen in der Schuldenfalle, Weltbank und Internationaler Währungsfonds beschleunigen mit ihren Forderungen nach Sozialabbau in den Entwicklungsländern die Zerstörung der sozialen Systeme.

Qualität statt Quantität
terre des hommes schweiz muss sich in den 90er-Jahren neu positionieren. Im Wissen darum, dass es zur globalisierten neoliberalen Wirtschaft keine globale soziale Alternative gibt, heisst die Devise kleinräumig, vielgestaltig und vernetzt arbeiten, autonome Entwicklungen fördern: „Autonomie heisst, Abhängigkeit in strategischen Bereichen zu durchbrechen und dadurch neue Handlungsperspektiven zu eröffnen. (…) Eine Vernetzung schafft die Gesetze des Marktes nicht ab, erleichtert aber selbstbestimmtes Arbeiten.“ So steht’s im Leitbild von 1999, für das fünf Jahre lang diskutiert, gestritten und gelitten wurde. Die Neupositionierung lohnt sich. In einer Zeit, da auch Entwicklungsorganisationen feststellen müssen, dass es einen „Markt“ gibt und dass man/frau da präsent zu sein hat, wird Profilierung zur Überlebensfrage. Mehr Qualität statt Quantität: weniger Projektländer, weniger Projekte, Fokussierung auf Schwerpunktthemen, zu denen die Organisation was zu sagen hat, Aufbau eines Inlandprogramms.

Vergessene Katastrophen
Und da stehen wir heute. Nicht dort, wo die Medien alles grell ausleuchten und Katastrophenhilfe angesagt ist. Aber dort, wo vergessene Katastrophen wie in der Westsahara die Bevölkerung seit Jahrzehnten knechten. Wir setzen auf längerfristig ausgerichtete Unterstützung, die soziale Prozesse ermöglicht. Wir verstehen Entwicklungszusammenarbeit als gegenseitiges Lernen, was auch bedeutet, dass wir trotz finanzieller Abhängigkeiten mit unseren PartnerInnen auf Augenhöhe verkehren. Und unsere Schwerpunktthemen haben Potenzial: Mit psychosozialer Unterstützung und Jugendpartizipation leisten wir auch ein Stück Pionierarbeit und Gewaltprävention ist in der Entwicklungsarbeit eines der dringlichsten Themen überhaupt.

Stefan Studer und Franziska Lauper, Co-Geschäftsleitung

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TERRE DES HOMMES feiert schweizweit das Jubliäum
Medienmitteilung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute unvorstellbar: das nickende Negerkässeli